Ullrich Umann
Korrespondent von der GTAI Germany Trade and Invest (GTAI)
+212 522 42 94 25 ullrich.umann@gtai.deVon Ullrich Umann | GTAI
Marokkos Energieinfrastruktur sieht sich angesichts des raschen Ausbaus bei Erzeugungskapazitäten zunehmend mit Engpässen bei der Stromübertragung konfrontiert. Der staatliche Energie- und Wasserversorger Office National de l’Electricité et de l’Eau Potable (ONEE) legt daher aktuell einen Schwerpunkt darauf, die geografischen Ungleichgewichte zwischen den Erzeugungszentren im Süden und den weit entfernten Großverbrauchern im Zentrum und Norden des Landes zu beseitigen.
Zu den dringenden Vorhaben zählt der Bau einer 1.000 Kilometer langen Ultra-Hochspannungsleitung (UHV) für eine Leistung von 2.000 Megawatt von Boujdour nach Tensift. Sie soll im Dezember 2028 in Betrieb gehen. Ein Generalunternehmer (Engineering, Procurement and Construction, EPC) für das Projekt soll 2026 per Ausschreibung gefunden werden. Die Präqualifikations-Phase dafür läuft bis zum 15. Januar 2026.
Parallel dazu forciert eine öffentlich-private Partnerschaft den Bau einer "Stromautobahn". An dem Projekt sind die ONEE und ein Konsortium aus Marokko und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In dem Konsortium haben sich der staatliche Investitionsfonds Mohammad VI sowie Taqa Morocco und Nareva zusammengeschlossen. Der Bau umfasst eine 1.400 Kilometer lange 3.000-Megawatt-Hochspannungsleitung von Laayoune nach Casablanca, aber auch Meerwasserentsalzungsanlagen und Kapazitäten zur Erzeugung von grünem Strom. Eine erste Umweltverträglichkeitsstudie für die Stromtrasse erstellt das marokkanische Ingenieurbüro Novec.
Für deutsche Hersteller und Dienstleister ergeben sich aus den Netzausbauplänen der ONEE gleich mehrere Geschäftsmöglichkeiten. So ist der Bedarf an technischer Ausrüstung für die UHV-Trasse von Boujdour nach Tensift äußerst groß, wobei es hohe Anforderungen an Extrembedingungen wie Sandstürme und Hitze in den Wüstenregionen gibt.
Deutsche Firmen können sich nicht nur als Technologielieferanten einbringen, sondern auch in der Projektberatung und -ausführung aktiv werden. So erfordert die Komplexität der Projekte spezialisierte Beratungsleistungen. Doch ist die Konkurrenz groß. Marokkanische Ingenieurbüros haben sich als äußerst leistungsfähig erwiesen und verfügen häufig über gute Verbindungen zu den Projektträgern.
Korrespondent von der GTAI Germany Trade and Invest (GTAI)
+212 522 42 94 25 ullrich.umann@gtai.de