Ullrich Umann
Korrespondent von der GTAI Germany Trade and Invest (GTAI)
+212 522 42 94 25 ullrich.umann@gtai.de
Die staatliche Eisenbahngesellschaft ONCF (Office National des Chemins de Fer) setzt bis zum Jahr 2030 ein nationales Investitionsprogramm im Gesamtwert von 96 Milliarden Dirham (circa 10 Milliarden Euro) um. Das Land bereitet seine Infrastruktur damit intensiv auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 vor.
Die Lieferchancen deutscher Anbieter liegen vor allem in den technologieintensiven Bereichen, etwa in der Signal- und Sicherungstechnik, Elektrifizierung sowie bei Leit- und Kommunikationssystemen. So benötigt Marokko unter anderem hochwertige Gleisoberbaukomponenten, ebenfalls moderne Messtechnik und digitale Lösungen für den Hochgeschwindigkeitsbahnbetrieb.
Die ONCF fordert im Rahmen der Vergaben von den Generalauftragnehmern explizit einen Technologietransfer und den Aufbau eines lokalen Bahnindustrie-Ökosystems. Dies bedeutet, dass sich deutsche mittelständische Zulieferer, selbst als Subauftragnehmer, langfristig an Marokko binden sollten. Schließlich öffnet das die Türen zu dauerhaften lokalen Lieferketten und Industriepartnerschaften.
Erstens können sich deutsche Firmen direkt um offene Lose der Infrastrukturvorhaben bewerben. Zweitens bieten sich strategische Partnerschaften mit den etablierten Hauptauftragnehmern an, die im Land eigene Werke aufbauen oder erweitern.
Der südkoreanische Hersteller Hyundai Rotem plant beispielsweise eine Produktionsstätte in der Kommune Sidi Ali Labrahla in der Provinz Rhamna. Solche Fabrikprojekte erzeugen in Marokko eine hohe Nachfrage nach hochentwickelter Fertigungs-, Prüf- und Schweißtechnik, die in das Portfolio deutscher Maschinenbauer passt.
Für einen dauerhaften Erfolg im Bahnmarkt sollten deutsche Unternehmen verschiedene Schritte einleiten. Zunächst gilt es, strategische Allianzen vor Ort zu schmieden, da nur lokale Partnerschaften die strengen Anforderungen an die Lokalisierung erfüllen.
Zudem sollten bestehende Kooperations- und Finanzierungslinien wie die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aktiv als Türöffner genutzt werden. So haben die Deutsche Bahn und ONCF im Mai 2023 eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet, wonach deutsche Bahnexperten beraterisch in Marokko tätig sind.
Weiterhin hat ONCF bei der KfW ein 202-Millionen-Euro-Darlehen im Rahmen des Projekts „Service Intra-métropolitain Rapproché“ (SIR) aufgenommen. Dabei geht es um den Ausbau des Regionalzug- und S-Bahn-Netzes in der Metropolregion Casablanca.
Deutsche Firmen sollten in ihren Angeboten ihre Technologieführerschaft und die Nachhaltigkeit ihrer Systeme betonen, insbesondere im Hinblick auf digitale Lösungen. Mit einem Verweis, dass die ESG-Standards (Environment, Social, Governance) eingehalten werden, erhält das Angebot eine weitere Aufwertung. Außerdem sollten deutsche Firmen die Ausschreibungsportale kontinuierlich überwachen, da ONCF fortlaufend neue Lose für Bahnhofstechnik und Gebäudeautomation vergibt.
Hilfestellungen kann bei der Angebotserarbeitung die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Casablanca (AHK Marokko) leisten.
Korrespondent von der GTAI Germany Trade and Invest (GTAI)
+212 522 42 94 25 ullrich.umann@gtai.de