Günther Uecker-Ausstellung in Casablanca: Der geschundene Mensch – 14 befriedete Gerätschaften“

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Beginn:
09.06.2011
Ende:
28.06.2011
Ort:
Ehemalige Kirche ‚ "Sacré-Cœur", Boulevard Rachidi, Casablanca

Ansprechpartner

Nikola Schönfeld
Tel: +212522429404
Email: relations.publiques(at)dihkcasa.org

Am Donnerstag, 09.06.2011, geht es um 17h mit einem Künstlergespräch und einer kurzen kommentierten Führung durch die Ausstellung los. Ab 18h30 bis 20h00 findet dann die Vernissage statt.

Eröffnung: 9. Juni 2011, 18.30 Uhr
Künstlergespräch und Führung: 17 Uhr

Das Thema verliert kaum an Aktualität, macht Schlagzeilen: Immer wieder hören wir von Menschenrechtsverletzungen, Gewalt gegen Andersdenkende, Hass auf Fremde, Ausgrenzung von Menschen anderer Nationalität. ‚Aus Fehlern zu lernen’ hat sich auch die deutsche Nachkriegsgeneration geschworen und sich seit den 60er Jahren intensiv mit der historischen Aufarbeitung der eigenen Geschichte beschäftigt. Umso schockierender waren die Anschläge Anfang der 90er Jahre von unbelehrbaren Rechtsradikalen auf Ausländer und Asylheime.

Entkommen wir nie dem Teufelskreis gegenseitiger Verletzungen oder Missachtungen? Und wie lehrreich kann die Begegnung mit unserer eigenen Geschichte sein, die uns dank zahlreicher Zeitzeugen und herausragender integrer Persönlichkeiten in ganz unterschiedlicher Form vermittelt und näher gebracht wird?

Zwischen Herbst 1992 und Frühjahr 1993 schuf der deutsche Künstler Günther Uecker seine mittlerweile weltberühmte Ausstellung „Der geschundene Mensch – 14 befriedete Gerätschaften“.

Seit ihrem Entstehen wurde diese Ausstellung in vielen Ländern der Welt gezeigt, von Usbekistan bis Südafrika, und macht nun in Nordafrika Station, im Zentrum von Casablanca und dort in der ehemaligen Kirche „Sacré-Coeur“.

Es geht hier sicherlich auch um das Porträt, die Darstellung einer großen Künstlerpersönlichkeit, aber nicht im herkömmlichen Sinn. Vielmehr reagiert Uecker in der für ihn typischen Formensprache – mit Holzlatten, Leinentüchern, Nägeln, Steinen, Asche, Sand, Schriftblättern – und einem fast physischem Einsatz auf die "Verletzung des Menschen durch den Menschen", genauer auf die Anwendung von Gewalt gegen Ausländer, Fremde, Andersdenkende. Die Kunst von Günther Uecker entsteht so nicht nur der Kunst wegen und folgt einem ästhetischen Ideal, sondern beinhaltet auch immer eine sensible und nachhaltig wirkende Botschaft des Künstlers selbst.
Angelehnt an die Stationen des christlichen Kreuzwegs hat Uecker vierzehn plastische Arbeiten entwickelt mit Titeln wie "Hindernisweg", "Weiße Tränen", "Feuerstelle", "Geißelmühle". In diesen Mahnmalen gibt er seiner Lebens- und Leidensvision Ausdruck und versucht, in subtil-eindeutigen Zeichensetzungen Grundkräfte des Menschlichen aufzudecken: Aggressionen, Verletzungen, Zerstörungen, denen er versöhnende Gebärden entgegenhält. Uecker: "So ist dies mein Protest, meine Stellungnahme, ein Ausdruck meiner Erregtheit, sozusagen ein Porträt eines Künstlers in Deutschland".

Die Ausstellung
Die Ausstellung „Der geschundene Mensch“ besteht aus 11 Objekten oder Gerätschaften, sowie drei Bildern, 60 Wörtern und einem begleitenden Film. Die Wörter, welche seine Ausstellung umrahmen, stammen hauptsächlich aus dem Alten Testament. „Wie ausweinend“ wurden sie von dem Künstler selbst niedergeschrieben, gerahmt und den Objekten zugeordnet. So ist zum Beispiel in dem Werk „Gerät (auf Wörtern)“ das Kunstwerk vergleichbar mit einem Ackergerät, welches bei Wintereinbruch auf dem Feld steht, wenn „die Erde einmal zur Ruhe kommt von der Geschundenheit ihrer Ausbeutung, ihrer Verletzung von Pflug und Egge“. Neben der Darstellung des geschundenen Menschen trägt die Ausstellung noch den Beinamen „14 befriedete Gerätschaften“. Dieser Untertitel betont, dass die Werke Günther Ueckers nicht gefährlich sind. Aus einfachen Materialien, wie Sand, Holz, Schnur oder Asche, entstanden einzigartige, zwei- und dreidimensional Kunstwerke, welche als Mahnmal gegen Gewalt und Diskriminierung stehen.

Günther Uecker
Günther Uecker zählt als international anerkannter Künstler zu den wichtigsten Zeitzeugen eines bewegten Jahrhunderts deutscher Geschichte. 1930 in Wendorf (Mecklenburg) geboren, gehört er zu der späten Vorkriegsgeneration. In der DDR aufgewachsen, begann er ab 1949 Malerei zu studieren, zuerst in Wismar, später an der Kunstakademie in Berlin-Weißensee. 1953 zog er nach Westberlin und begann zwei Jahre später an der Kunstakademie in Düsseldorf zu studieren. Zu dieser Zeit entstanden auch seine ersten Nagelbilder, für die er heute weltbekannt ist. Seit den 1980er Jahren nimmt er in seinen Werken zu politischen Fragen Stellung: so etwa reagierte er auf die Katastrophe von Tschernobyl mit dem Zyklus „Aschebilder“. Weitere politische Bezüge finden sich bei seinen Werken über den Irak, Umweltprobleme u.a.m.
Neben zahlreichen eigenen Ausstellungen, die Günther Uecker auf der ganzen Welt ausstellte, schuf er unter anderem 1977 ein Wandrelief für die UNO in Genf und gestaltete 1999 den Andachtsraum im Reichstagsgebäude in Berlin.

Die Ausstellung von Günther Uecker in Casablanca wird vom ifa, Institut für Auslandbeziehungen, Stuttgart, präsentiert, in Kooperation mit dem Goethe-Institut, welches in 2011 sein 50jähriges Bestehen in Marokko feiert. Mit Unterstützung der deutschen Botschaft in Marokko.

Infos und Kontakt:

Tel.: +212 537 732650

mueseler(at)rabat.goethe.org