Wirtschaftliche Entwicklung in Marokko

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Die Experten der Weltbank sowie Banken und internationale Investmentgesellschaften bescheinigen Marokko ein großes Wachstumspotential und stufen das Land als möglichen Zukunftsmarkt ein.

In den Jahren 2009 bis 2013 konnte das 33,5 Millionen Einwohner umfassende Land ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 4,1% pro Jahr verzeichnen. Im Jahr 2015 lag der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit 4,8% über dem Durchschnitt, für das Jahr 2016 hingegen wird eine Verlangsamung des Wachstums auf 4,1% hervorgesagt. Das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre war stark gekennzeichnet von der weltweiten Finanz- und Konjunkturkrise und den unbeständigen Weltmarktpreisen. Vor allem die Ausfuhren der gewerblichen Produktion hängen stark von der Konjunktur Europas – dem wichtigsten Handelspartner Marokkos – ab. Der Rückgang der Nachfragen aus Europa kann jedoch bisher durch den Phosphatabbau und die hohen Phosphatpreise ausgeglichen werden. Dieser konnte im 2015 einen Anstieg verzeichnen und soll auch in Zukunft durch Investitionen weiter gefördert werden.

Wichtige Impulse für das Wirtschaftswachstum kommen zudem aus dem Landwirtschaftssektor, auch wenn dieser stark von Jahresniederschlägen abhängig ist und zudem zunehmend durch den Dienstleistungssektor ersetzt wird. Eine positive Entwicklung verzeichnet zudem die Branche des Maschinen- und Anlagenbaus. Vor allem der Ausbau der KFZ- und Flugzeugindustrie wird auch in Zukunft für ausländische Investitionen sorgen. Investoren aus dem Ausland lockt auch der Infrastrukturausbau an, der die Rolle des Bausektors zunehmend bedeutend werden lässt. Darüber hinaus verfügt Marokko über ein großes Potential im Bereich der Energie und erneuerbaren Energien, was in den hervorragenden naturräumlichen Bedingungen für Solar- und Windkraft begründet liegt. Durch ihre effektive Nutzung könnte Marokko seinen eigenen Strombedarf decken und darüber hinaus nach Europa exportieren. Zu guter Letzt spielt auch der Tourismussektor nach wie vor eine bedeutende Rolle als zentrale Stütze der marokkanischen Wirtschaft.

Neben den positiven Entwicklungen in den verschiedenen Sektoren stellt auch die allgemeine politische Stabilität des Landes einen Vorzug Marokkos dar. Mit Hilfe verschiedener Reformmaßnahmen werden ein höherer Entwicklungsstand, eine Diversifikation der Industrie sowie ein Ausbau des Dienstleistungssektors angestrebt. Seit 2006 verfolgt Marokko zudem den „Plan d`Emergence“ zur Entwicklung seiner industriellen Basis. Ziel des Vorhabens ist, die Wettbewerbsfähigkeit in den traditionellen Industriesektoren (Textilindustrie, Nahrungsmittelverarbeitung und Fischerei) sowie bei neuen Branchen (Offshoring, Automobilindustrie, Elektroindustrie und Teilezulieferung für die Luftfahrttechnik) zu erhöhen. Dabei setzt die marokkanische Regierung auf die Entwicklung von sogenannten Wirtschaftspolen. Da der „Plan d'Emergence“ nur im Offshoring große Erfolge aufweisen konnte, ist für 2009 bis 2015 ein nationaler Pakt ("Pacte national pour l'émergence industrielle") zwischen Unternehmen, Banken und dem marokkanischen Staat beschlossen worden. Danach sollen die Regierung rund 1,1 Mrd. Euro und die Banken 350 Mio. Euro zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit (Ausbildung, Kredite, Erschließung von Gewerbegebieten etc.) beisteuern.

Begünstigend für den Außenhandel und attraktiv für ausländische Unternehmen wirkt zudem der insgesamt große außenwirtschaftliche Öffnungsgrad Marokkos. Assoziierungsabkommen mit der EU sowie eine Vielzahl an Freihandelsabkommen belegen diesen. In Verbindung mit seiner marktwirtschaftlichen Grundausrichtung und dem freien Wettbewerb stellt Marokko so ein gutes Sprungbrett ausländischer Unternehmen für den westafrikanischen Markt dar.

Aktuelle Informationen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und zu einzelnen Branchen wie u.a. Bauwirtschaft, Umwelttechnik, Agrarwirtschaft, Medizintechnik, Informationstechnologie etc. finden Sie auf der Webseite der Germany Trade & Invest GmbH (GTaI).