Wirtschaftseckdaten für Marokko

Trotz der Entschleunigung des europäischen Wirtschaftswachstums - Marokkos wichtigster Handelspartner - konnte das Königreich 2014 ein BIP von 2,4 % vorweisen. Für 2015 erwartet der IWF sogar ein Wirtschaftswachstum von 4,9 % für Marokko. Auch aus politischer Perspektive ist Marokko, unabhängig von den politischen Entwicklungen in der Region, weiterhin ein Land mit einer stabilen Regierung.

Das Land positioniert sich, wegen seiner strategischen Lage, außerdem verstärkt als Bindeglied zwischen Europa und Westafrika. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Freihandelsabkommen u.a. im Mittelmeergebiet, mit den USA und der EU geschlossen.Marokko ist insbesondere für die Textil-, Automobilzulieferer- und Elektrotechnikbranche ein beliebtes Offshore-Ziel. Doch auch in der Dienstleistungsbranche erweitert Marokko immer mehr sein Angebot und bietet neben Call Centern, auch qualifizierte und kostenbillige Fachkräfte im Bereich IT.

Das Land hat in mehrere Freihandelszonen investiert und bietet Firmen, die sich in diesen Parks niederlassen, interessante Steuer- und Zollvorteile .Zudem bietet Marokko eine stabile Währung, die zu 20 % an den USD und 80 % an den Euro gekoppelt ist. Das Königreich fördert Projekte in den Bereichen Landwirtschaft und erneuerbare Energien, da sich das Land als Ziel gesetzt hat bis 2020 6000 MW Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Im Hinblick auf dieses Ziel werden zurzeit einige große Kraftwerke für Sonnen- und Windenergie fertiggestellt.

Marokkos meteorologische und geographische Bedingungen bieten sich dafür besonders gut an.In Verbindung mit der wirtschaftlichen Entwicklung und der Industrialisierung des Landes, boomt in Marokko der Bausektor. Dieser Boom und die wachsende Industriebranche, gekoppelt mit dem wachsenden Umweltbewusstsein bieten gute Geschäftsmöglichkeiten in der Wasser- und besonders der Abwasserbranche: Firmen müssen immer höhere Strafen zahlen, wenn sie ihr Abwasser nicht behandeln. Damit verbunden ist auch die Entwicklung der Abfallwirtschaft, ein Sektor der bisher noch zu einem wesentlichen Teil durch den informellen Markt beherrscht wird.Marokko besitzt kaum Bodenschätze, die zur Energieerzeugung gebraucht werden können, verfügt jedoch über sehr große Phosphatreserven und ist einer der wichtigsten Phosphatexporteure weltweit.

Das Land hat sich in den letzten Jahren zum Ziel gesetzt weniger unverarbeitetes Phosphat zu exportieren, sondern dieses gleich vor Ort zu bearbeiten, um finale Phosphatprodukte zu exportieren.

Maschinen- und Anlagenbau, Kfz-Industrie

Die gute Infrastruktur zieht besonders immer mehr Automobilhersteller und –zulieferer (Renault), Elektroteilhersteller und Luftfahrtzulieferer (Bombadier) an. Mit oben erwähntem Boom in der Kabel- und Elektrotechnik und Freihandelszonen bieten sich sehr günstige Marktchancen für kleine, kapitalintensive Industrie, womit Marokko aber auch konjunkturabhängig ist.

Chemie

Marokko ist der weltgrößte Exporteur von Phosphaten und hat das Ziel bis zum Jahr 2020 80% der geförderten Phosphate im Land zu verarbeiten.

Bauwirtschaft

Infrastrukturprojekte und der soziale Siedlungsbau haben 2006 einen Boom der Branche verursacht, der jedoch aufgrund der Budgetkürzungen seit Mitte 2012 Unsicherheiten birgt.

Elektrotechnik/Elektronik

Der Strombedarf wächst jährlich zwischen 6 – 8%, entsprechend sind Geräte zur Elektrizitätserzeugung und –verteilung gefragt. Erneuerbare Energien sind momentan im ambitionierten Aufbau, besonders stark sind Solar- (2000 MW bis 2020), Wind- (2000 MW bis 2020 + örtliche Produktion) und Wasserkraft vertreten.

Informations- und Kommunikationstechnik

Marokko hat die schnellstwachsende Internetnutzeranzahl Afrikas. 4G befindet sich im Aufbau, IT und Offshoring Dienstleistungen sollen weiter ausgebaut werden und sind stark auf den französischen und spanischen Markt ausgerichtet.

Medizintechnik

Die bis Ende der 90er vernachlässigte Gesundheitsvorsorge ist ein zentraler Eckpfeiler der neuen Politik. Trotz Einsparmaßnahmen der Regierung steht vor allem die ländliche Infrastruktur vor großen Entwicklungen. Die Rahmenbedingungen für Unternehmen zur günstigen, aber hochwertigen Produktion vor Ort stehen derzeitig sehr gut.

Abwasser- und Abfallwirtschaft

Hoher Bedarf besteht bei der Sanierung der städtischen und industriellen Abwässer und der  Optimierung der landwirtschaftlichen Bewässerung. Gleiches gilt für die Abfallwirtschaft, wo auf 44 Deponien (bis 2015) bis zu 6,6 Tonnen Abfall aufgenommen werden soll. Ebenfalls sollen mehr als 132 wilde Deponien saniert werden.

Quellen

GTAI Wirtschaftsdaten – Marokko - November 2014