"Zuwanderungsregeln weiter optimieren!" Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), im Interview

12.02.15 AHK Marokko - News-Hauptkategorie, Global News

Gegen ein neues Einwanderungsgesetz, aber für eine Verbesserung der Regeln für Zuzug und Bleiberecht hat sich Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), jetzt in einem Zeitungsinterview ausgesprochen.

Nachfolgend zitieren wir das Gespräch (Auszüge, Anm. der Red.) mit der "Saarbrücker Zeitung" im Wortlaut:

'Saarbrücker Zeitung': Die Koalition streitet über ein Einwanderungsgesetz. Welche Position nimmt die Wirtschaft ein?

Eric Schweitzer: Wir brauchen Zuwanderung im qualifizierten Bereich. Das liegt schlicht an der demografischen Entwicklung in Deutschland. Was wir nicht brauchen, ist eine Debatte um ein neues Zuwanderungsgesetz.

'Saarbrücker Zeitung': Die SPD will die Vorgaben bündeln. Das klingt doch vernünftig.

Schweitzer: Ich habe gerade beim Mindestlohn und bei der Arbeitsstättenverordnung die Erfahrung gemacht, was dabei herauskommt, wenn Politik Dinge gebündelt regelt. Das führt selten zum Besseren.

'Saarbrücker Zeitung': Was schlagen Sie also vor?

Schweitzer: Wir hatten im letzten Jahr einen Zuwanderungsgewinn von 470.000 Menschen, davon fast zwei Drittel aus der EU, für die sowieso Freizügigkeit gilt. Für die anderen haben wir umfassende Regelungen, die in den letzten fünf Jahren bereits vereinfacht worden sind. Diese Regeln sollten wir sicher noch weiter optimieren.

'Saarbrücker Zeitung': Und wie?

Schweitzer: Die Liste der Mangelberufe im Bereich dualer Ausbildungen muss erweitert werden. Zum Beispiel um gastronomische Berufe, damit in diese Jobs Zuwanderung einfacher erfolgen kann. Außerdem müssen junge Zuwanderer ohne Hindernisse hier eine Ausbildung machen können - zumindest in Berufen, in denen die Bewerber knapp sind. Wer dann einen passenden Job findet, soll bleiben dürfen.Und wenn jemand in Deutschland schon eine Hochschulausbildung gemacht hat, die vom Steuerzahler finanziert worden ist, und er danach einen entsprechenden Arbeitsplatz findet, sollte er umgehend ein Daueraufenthaltsrecht erhalten und nicht noch einmal - wie derzeit - eine zeitliche Befristung erfolgen.

'Saarbrücker Zeitung': Zur Debatte steht auch ein erleichtertes Bleiberecht für Asylbewerber mit Ausbildungsplatz. Was halten Sie davon?

Schweitzer: Die Idee ist richtig, denn wir hatten 2014 allein im IHK-Bereich 80.000 unbesetzte Ausbildungsplätze. Asylbewerber, die hier eine Ausbildung beginnen, müssen diese ohne Angst vor Abschiebung abschließen können. Außerdem sollten die Betroffenen nach Abschluss der Ausbildung in jedem Fall die Möglichkeit haben, hier arbeiten zu dürfen.

'Saarbrücker Zeitung': Sollte auch nicht anerkannten Asylbewerbern ein Aufenthaltsrecht gegeben werden, wenn ihre Qualifikation dringend benötigt wird?

Schweitzer: Wir haben zurzeit eine Reihe von Flüchtlingen, die hoch qualifiziert sind. Wer es schafft, eine bezahlte Arbeit zu bekommen, dem sollte dann auch eine Perspektive eröffnet werden. Wichtig ist aber noch etwas anderes: Flüchtlinge müssen frühzeitig Sprachunterricht bekommen. Das ist der Kern von Integration. Da ist die Politik in der Pflicht.

Das vollständige Interview lesen Sie hier.