Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) legt Grünbuch zum Strommarkt vor

05.11.14 AHK Marokko - News-Hauptkategorie, Global News, Global AHK News, Global DEint News

Grünbuch - Ein Strommarkt für die Energiewende

Das Bundeswirtschaftsministerium hat das bereits angekündigte Grünbuch zum künftigen Strommarktdesign vorgelegt. Danach wird sich die Bundesregierung für eine Weiterentwicklung des bestehenden Strommarktes, flankiert durch eine Kapazitätsreserve als Sicherheitsnetz, aussprechen. Weitergehende Kapazitätsmechanismen werden kritisch bewertet.

Im Grünbuch werden "Sowieso"-Maßnahmen dargestellt, die unabhängig von der Entscheidung über Kapazitätsmechanismen erfolgen sollen, um eine sichere, kosteneffiziente und umweltverträgliche Stromversorgung zu ermöglichen. So sollen die Marktsignale für Erzeuger und Verbraucher gestärkt werden. Ansätze sind die Weiterentwicklung der Regelleistungsmärkte, eine Reduzierung der konventionellen Mindesterzeugung, höhere Anreize für Bilanzkreistreue und eine Anpassung der Netzentgeltsystematik.

Als Denkanstöße werden eine dynamische (an den Strompreis gekoppelte) EEG-Umlage und eine Inputbesteuerung auch bei Strom (Besteuerung der Energieträger zur Erzeugung (Erdgas, Kohle etc.) anstelle der Stromsteuer) in die Diskussion geworfen.Das Grünbuch betont zudem die Bedeutung eines leistungsfähigen Stromnetzes für den Strommarkt. Zur Senkung der Kosten des Netzausbaus sollen das Einspeisemanagement aus erneuerbaren Energien, also die Abregelung von Anlagen bei sehr hoher Einspeiseleistung, und der Einsatz innovativer Betriebsmittel, wie z. B. regelbare Ortsnetztransformatoren, stärker in der Netzplanung Berücksichtigung finden können.

Eine entscheidende Bedeutung für die Funktionstüchtigkeit des Strommarktes spielen zudem der Erhalt der einheitlichen Preiszone in Deutschland und eine enge europäische Kooperation. Versorgungssicherheit sollte nicht mehr nur als nationale Angelegenheit gedacht werden, sondern im europäischen Kontext. Weiterhin müsse das neue Strommarktdesign die Erreichung der Klimaschutzziele absichern. Dies soll einerseits durch eine - im Sinne der Energiewende - zielgerichtete KWK-Förderung erfolgen. Andererseits wird eine Reform des europäischen Emissionshandelssystems vorgeschlagen, u. a. die Einführung der Marktstabilitätsreserve bereits ab 2017.

Für die Diskussion um die Einführung von Kapazitätsmechanismen sind die im Grünbuch genannten Lösungsoptionen zentral. Vorgeschlagen wird entweder die Umsetzung eines Strommarktes 2.0 (einschließlich einer Kapazitätsreserve) oder eine Form von Kapazitätsmarkt. Die "Option Strommarkt 2.0" umfasst neben der Umsetzung der o. g. "Sowieso"-Maßnahmen eine vollständig freie Preisbildung am Strommarkt (einschließlich der Akzeptanz sehr hoher Knappheitspreise) und die Einführung einer Kapazitätsreserve. Mit der Kapazitätsreserve sollen Unsicherheiten in der Übergangsphase zusätzlich abgesichert werden.

Sie soll vergleichbar mit der Regelleistung als Systemdienstleistung erst nach Abschluss der Marktgeschäfte zum Einsatz kommen, um das Investitionskalkül der Akteure am Strommarkt nicht zu beeinflussen. Zudem soll die Kapazitätsreserve eine Regionalkomponente beinhalten und so die Funktion der Netzreserve - ausreichend Redispatchkapazität im Süden - übernehmen.

Unter der "Option Kapazitätsmarkt" werden Konzepte alternativer Kapazitätsmechanismen zur Diskussion gestellt. Die untersuchten Ansätze sind ein umfassender Kapazitätsmarkt (nach EWI, 2012), ein zentraler fokussierter Kapazitätsmarkt (Öko-Institut/LBD/Raue, 2012) und ein dezentraler umfassender Kapazitätsmarkt (Enervis/BET 2013, dezentraler Leistungsmarkt nach BDEW 2013). Die Bewertung dieser Kapazitätsmechanismen fällt, wie bereits in den im Sommer vom Bundeswirtschaftsministerium vorgelegten Studien, kritisch aus.

Viele der "Sowieso"-Maßnahmen hatte der DIHK bereits in seinem Positionspapier "Ein neuer Markt für die Energiewende" vom November 2013 vorgeschlagen. Die Einführung umfassender und dauerhafter Kapazitätsmechanismen sieht der DIHK hingegen als ultima ratio, wenn ein optimierter EOM nicht ausreichend Anreize zu Investitionen in gesicherte Leistung setzen sollte.

Quelle: DIHK (Fl)