Hilferuf deutscher Handelshäuser und Marokkokrise Die Franzosen besetzten Fez und Rabat worauf Deutschland das ebenfalls Interessen in Marokko hatte reagierte Es waren vor allem die deutschen Handelshäuser al len voran der Direktor der Hamburg Marokko Gesellschaft Wilhelm Regendanz der einen Hilferuf an die Admiralität in Berlin absetzte Der Staatssekretär des Auswärtigen Alfred von Kiderlen Wächter sah einen Anlass Stärke gegenüber Frankreich zu zeigen sowie einen Keil zwischen die Ententemächte England und Frankreich zu treiben Der Staatssekretär selbst hatte an Marokko herzlich wenig Interesse sah aber hier eine machtpolitische Gelegenheit So erging am 30 Juni 1911 folgende Note an die europäischen Mächte Deutsche Handelshäuser die im Süden von Marokko und insbesondere in Agadir ansässig sind fühlen sich durch die Stimmung unter den einheimischen Stämmen beunruhigt die offenbar durch die jüngsten Ereignisse hervorgerufen worden ist Diese Handelshäuser haben sich an die deutsche Reichsregierung mit der Bitte gewandt ihnen den Schutz ihres Lebens und ihrer Güter zu gewährleisten Auf diese Bitte hin hat sich die Regierung entschlossen ein Kriegsschiff in den Hafen von Agadir zu entsenden um ihren Untertanen und Schutzbefohlenen nötigenfalls Hilfe und Beistand zu leisten sowie die vitalen deutschen Interessen in den genannten Gebieten zu wahren Panther auf dem Weg nach Hause Schon einen Tag später tauchte vor Agadir das deutsche Kanonenboot Panther auf eher zufällig da das Boot aus Richtung der westafrikanischen Kolonien Richtung Heimat unterwegs war und wie damals üblich einen Stopp zum Kohlebunkern einlegen wollte Zunächst hatte man geplant in Casablanca oder Mogador zu bunkern die deutsche Admiralität empfahl aber Agadir als Hafen anzulaufen Man wollte damit eine weitere Eskalation mit den Franzosen verhindern jedoch gleichzeitig vor Marokko die deutsche Flagge zeigen In Frankreich wurde diese Aktion aufgrund des engen zeitlichen Zusammenhangs vollkommen anders aufgefasst Nicht ohne Grund denn schon einige Jahre zuvor hatte es für Deutschland mächtigen internationalen Ärger gegeben als im Jahre 1905 Kaiser Wilhelm II nach Tanger reiste um demonstrativ dem französischen Einfluss in Marokko entgegenzutreten In der internationalen Krise musste der deutsche Kaiser letztendlich klein beigeben Die Strategie Kiderlen Wächters über die Bande zu spielen ging auch 1911 nicht auf Englands Schatzkanzler David Lloyd George hielt am 21 Juli eine Rede in der Frankreich und Deutschland zwar nicht namentlich erwähnt sind aber die eindeutig ist und keinen Zweifel daran lässt dass England die Position des Deutschen Reiches nicht unterstützen würde Ich würde große Opfer für den Frieden bringen Ich weiß dass nichts eine Störung des internationalen Friedens rechtfertigen könnte außer einer Frage von größtem nationalem Interesse Sollten wir aber mit einer Situation konfrontiert werden in der wir den Frieden nur bewahren können indem wir die großartige und wohltätige Stellung in der Welt aufgeben die Großbritannien über Jahrhunderte durch Heroismus und Überwindung gewonnen hat dann sage ich mit aller Deutlichkeit dass ein Frieden um diesen Preis eine Erniedrigung wäre die ein großes Land wie unseres niemals dulden könnte Nach dem Protektoratsvertrag vom November 1912 in dem das Sultanat Marokko in die Protektorate Französisch Marokko und Spanisch Marokko geteilt wurde kamen auch die deutsch marokkanischen Wirtschaftsbeziehungen zum Erliegen Nach der Unabhängigkeit Erst nach der Unabhängigkeit Marokkos von Frankreich und Spanien im Jahre 1956 war es möglich wieder d i r e k t e Wi r t s c h a f t s u n d H a n d e l s b e z i e h u n g e n aufzunehmen Aus historischen Gründen sind Frankreich und Spanien die wichtigsten Handelspartner des Königreichs Marokko Doch Deutschland steht mit rund 120 Unternehmen an siebter Stelle der Handelspartner des nordafrikanischen Staates Dabei wird ein Teil des deutschen Außenhandels über französische und spanische Töchterunternehmen abgewickelt so dass es eine größere Grauzone gibt die nicht erfasst ist Dabei sind die Investitionsmöglichkeiten in Marokko gerade für deutsche Unternehmen hoch Zum einen aufgrund der mehr als 50 Freihandelsabkommen die das Königreich bilateral geschlossen hat zum anderen in Hinblick auf die Wirtschaftsintegration mit der Europäischen Union Außerdem bietet Marokko im Verhältnis zu anderen nordafrikanischen Staaten stabile politische Rahmenbedingungen Alle Fachleute sind sich einig dass die deutsche Wirtschaft in dem nordwestafrikanischen Land weit unter ihren eigentlichen Potentialen bleibt Vor allem Marokkos ehrgeizige Ziele beim Ausbau der Erneuerbaren Energien aber auch im Umwelt und Infrastrukturbereich oder in der Kfz Zulieferindustrie und last but not least in der Landwirtschaft bieten große Chancen in der Zukunft das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Marokko auszubauen In der nächsten Ausgabe des Bilatéral werden die deutsch marokkanischen Handelsbeziehungen zwischen 1873 und 1914 durch den Erfurter Historiker Prof Dr Gunther Mai im Detail beleuchtet werden Frank Tetzel ist Journalist und betreibt eine Marketing und Politikberatung in Berlin Er ist Mitglied des Vereins d e r F r e u n d e M a r o k k o s S e i n e Spezialgebiete liegen unter anderem i n d e n B e r e i c h e n R e n e w a b l e Energies Mobil ität Smart Cities Politcal Campaigning Immobilien und Tourismus IM FOKUS au Centre Archiv DMG Nord Bilatéral 16 janvier 2015

Vorschau Bilatéral N° 56, Mai 2015 Seite 16
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